- Freitag, November 28, 2008, 0:33
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Facebook.de vs. StudiVZ: Das Original verklagt die Kopie
Nach wie vor gehört das „StudiVZ“ mit rund 5,5 Millionen registrierten Nutzern zu den mit Abstand erfolgreichsten Online-Medien Deutschlands.
International ist jedoch die Community „Facebook“ ganz klarer Spitzenreiter unter den Kontaktnetzwerken: Rund 120 Millionen aktive Nutzer sprechen in diesem Rahmen eine deutliche Sprache. Auch in Sachen Rentabilität liegt das zur Verlagsgruppe „Holtzbrinck“ gehörende StudiVZ gegenüber Facebook.de zurück. Trotz Millionen von Nutzerzugriffen sind die Einnahmen noch stark ausbaufähig.
Bei Facebook sieht dies hingegen grundlegend anders aus. Die Haupteinnahmequelle ist laut Vizepräsident Matt Cohler die von Microsoft vermarktete Anzeigenwerbung auf der Webseite. In Deutschland verfolgt Facebook.de darum auch intensiv Gedanken an eine mögliche Expansion. Als wichtigster internationaler Markt kamen die hiesigen Nutzer darum auch als erste in den Genuss, Facebook nun auch in ihrer Landessprache nutzen zu können.
Der Clou an der ganzen Sache: Bei der Übersetzung der Inhalte ließen Matt Cohler & Co den deutschen Usern freie Hand. Den Nutzern sollte auf diesem Wege das Gefühl vermittelt werden, sich aktiv und mit eigenen Ideen in den Veränderungsprozess einbringen zu können. Zudem wird durch diesen raffinierten Schachzug die Markenbindung der User an Facebook.de enorm gestärkt. Sogar eine Übernahme des StudiVZ möchte man in der amerikanischen Zentrale von Facebook mittlerweile nicht mehr ausschließen.
Das amerikanische Social Network versucht seit dem Frühjahr 2008 mit seinem deutschen Ableger hierzulande Fuß zu fassen. Da das Wachstum Mark Zuckerberg nicht schnell genug geht verklagt Facebook.com jetzt StudiVZ wegen dem “Missbrauch von geistigem Eigentum“ vor einem US-Gericht in San Jose.
StudiVZ ist 2005, eineineinhalb Jahre nach Facebook, in Deutschland gestartet und sah in seiner ursprünglichen Form dem amerikanischen Vorbild sehr ähnlich, lediglich die Farbgebung unterschied sich. Kontaktmöglichkeiten wie “Gruscheln“ erinnerten dabei an Facebook Funktionen wie Poken und bis Oktober 2006 arbeitete StudiVZ mit einem CSS Stylesheet, das den Namen “myfb.css”, also “myFaceBook” trug.
Angesichts des deutschen Markteintritts von Facebook ist StudiVZ einfach im Weg. In der Klage wirft Facebook StudiVZ vor, nicht nur zahlreiche Funktionen übernommen zu haben, sondern auch das Look und Feel des amerikanischen Social Networks geklaut zu haben. Eine Facebook.de-Sprecherin sagte der Financial Times Deutschland, das Facebook eine Klage vor einem deutschen Gericht derzeit prüfe.
StudiVZ hat die Vorwürfe bestritten und eine Feststellungsklage eingereicht. Laut StudiVZ versucht Facebook.de nur den Erfolg des deutschen Studentennetzwerkes auf rechtlichem Wege zu behindern. Marcus Riecke, CEO von StudiVZ zieht die Sache gelassen und sagt, Facebook ist nicht das Ur-Social Network, es war nicht das Erste und ist nicht das Einzige.
Auch Facebook soll abgeguckt haben und zwar von der Community ConnectU. Die gerichtliche Auseinandersetzung zwischen beiden Netzwerken wurde eingestellt, nachdem Facebook ConnectU einen Geldbetrag in unbekannter Höhe und eine Beiteilung am Unternehmen angeboten hatte.

