Tape.tv: Online Musikfernsehen nach dem Vorbild von MTV

Das deutsche Musikfernsehen ist längst in großen Teilen zur Abspielstation für Klingelton-Werbung und drittklassige Reality-Soaps aus Amerika verkommen. Wer wirklich Interesse an den Musikvideos hat, greift seit Jahren auf das Internet zurück. Dabei bietet das Portal tape.tv eine vielversprechende Möglichkeit, die Glanzzeiten des Musikfernsehen wieder aufleben zu lassen. Allerdings gilt auch hier dem Zeitgeist entsprechend: Der Style ist alles.

Elegant sieht es aus, das Portal tape.tv, das seit 2008 auf Sendung ist. Der Rahmen rund um das Videofenster ist ganz in edlem schwarz gehalten, und lässt die Online Musik-Filme in ihrem Breitformat noch einen Tick brillanter erscheinen, als sie ohnehin schon sind. Die klare Optik spiegelt den Grundgedanken von tape.tv wieder: Das Videoportal soll einfach sein. Fast so, als brauche man nur den Fernseher einzuschalten.

Tape.tv musik video

Quelle: tape.tv

In der Tat: Sobald man tape.tv öffnet, wird auch schon das erste Online-Musikvideo abgespielt. Man kann sich also wie bei Radio und Fernsehen auch im Internet von der abgespielten Musik einfach nur berieseln lassen. Die Auswahl der Musikvidoes ist dabei wirklich gut, und reicht von Mainstream bis Avantgarde und Independent. Praktisch ist die mittlere Menüleiste, die sich per Mausbewegung einblenden lässt, und einem fast alle Menüoptionen bietet, die man sich als User nur wünschen kann: So kann man die Playlist nach Genre oder persönlicher Stimmung festlegen, eine individualisierte Playlist nach seinen persönlichen Clipbewertungen angezeigt bekommen, oder sein Lieblingsfilme mit Freunden bei Youtube, Myspace oder Twitter teilen.

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Informationen und Downlaodmöglichkeiten des Online-Songs können ebenfalls angezeigt werden. Außerdem gibt es eine Übersicht über neue Clips. Ausgeklügelt ist das Werbekonzept von tape.tv: Die Werbung wird nicht in den Clips eingeblendet, sondern zeigt sich dezent in dem Rahmen darum.

Fazit: Besser kann man Musikfernsehen im Online-Zeitalter kaum machen. Vergleicht man tape.tv mit Youtube und dessen tausenden Kommentaren, schlechter Bildqualität und ständig gesperrten Musik-Videos, ist die Plattform ein echter Quantensprung. Irgendwie lässt aber gerade die perfekt gestylte, cleane Oberfläche von tape.tv eine gewisse Sehnsucht nach dem frechen Musikfernsehen früherer Jahre aufkommen, als Nils Ruf bei Viva 2 mit politisch unkorrekten Interviews für Schlagzeilen sorgte, Anastasia bei MTV das Gefühl vermittelte, sie kenne die Stars tatsächlich fast alle persönlich und Stefan Raab mit Rotz und Kreativität bei Viva seine Fernsehkarriere starten konnte. Mit tape.tv ist alles viel angepasster geworden. Zugegeben: Auch die Playlist.

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