Telekom will lange Ladezeiten bei YouTube verkürzen und Geld dafür verlangen

Einige User beschweren sich seit einiger Zeit wegen langer Ladezeiten beim Video-Portal YouTube. Besonders häufig sind User vertreten, die einen Anschluss der Deutschen Telekom nutzen. Dort hat man nun angekündigt die Kapazitäten verdreifachen zu wollen – zähneknirschend, denn mit steigenden Kapazitäten sind auch steigende Kosten verbunden. Gerne würde man diese Kosten an den Verursacher – in diesem Fall YouTube – weiterleiten. Doch dieses Vorhaben ist nicht unumstritten.

Angefangen hat alles mit einem Blog-Eintrag bei stadt-bremerhaven.de. Es ging um lange Ladezeiten beim Video-Portal YouTube, die insbesondere User mit Anschluss bei der Deutschen Telekom nerven. Inzwischen hat der Konzern reagiert. Man hat angekündigt die Kapazitäten verdreifachen zu wollen. Das Problem sei die immense Nachfrage der User. Immer mehr Videos werden abgerufen, die vorhandenen Kapazitäten seien jedoch längst ausgeschöpft.

Deutsche Telekom und Youtube
Quelle: preisgenau.de

Das Problem und die Lösung hierfür sind also eigentlich ganz einfach. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht: Mit einer Kapazitätserweiterung sind Kosten verbunden. Unklar ist, wer diese Kosten tragen soll. Wenn es nach der Deutschen Telekom geht, sollten diese Kosten auch dem Verursacher – in diesem Fall YouTube – in Rechnung gestellt werden. Schließlich verdient YouTube mit jedem Besucher, während für die Bereitstellung der Inhalte nur Kosten anfallen. Kritiker halten nichts von diesem Ansatz, weil er einen Eingriff in die Freiheit des Netzes darstellt.

Bezahlte Umfragen

Webseiten, die nicht zahlen, könnten gegenüber Webseiten, die bereit sind zu zahlen, benachteiligt werden. Eine solche Situation hätte auch Auswirkungen auf den Nutzer: Das schnellere (weil zahlende) Portal wird dem langsamen (aber unabhängigen) Portal vorgezogen. Die Kapazitäten müssen erhöht werden – keine Frage – doch wer bezahlt die Rechnung? Sind es am Ende vielleicht gar die Kunden, die spezielle Pakete hinzubuchen müssen, um auf Full-Speed zu kommen?

Quelle: stadt-bremerhaven.de, blogs.telekom.com, focus.de

1 Kommentar
Doc1971 | 28. Mai 2011, 15:40
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Eigentlich ist das Ganze ein Skandal, zumindest ist es eine Schande. Ein Unternehmen wirbt jahrelang mit immer schnelleren und teureren Internet-Flatrates, vernachlässigt aber gleichzeitig die eigene (Backbone)-Netzanbindung, wodurch die dem Kunden vollmundig angepriesene Leistung zwangsläufig über kurz oder lang diesem Flaschenhals zum Opfer fällt.

Den Verantwortlichen war – mindestens – seit einigen Monaten bewusst, dass die dem Kunden verkaufte Bandbreite aufgrund der eigenen schwachen Netzanbindung zu einem großen Teil überhaupt nicht geliefert werden kann. Man gelobte erst Besserung, nachdem das Dilemma vor einigen Tagen öffentlich allgemein bekannt wurde.

Bei Providern die das Telekom-Netz nicht (mitbe)nutzen, wird kaum über derartige Probleme beim Abspielen von YouTube-Videos berichtet. Das lässt darauf schließen – und wird ja auch nicht bestritten – dass der Datenstau durch die Telekom verursacht wird. Überhaupt: Sendet YouTube unaufgefordert Daten und überlastet so unser Netz? Natürlich nicht, denn der gestiegene Traffic wird ja erst durch Anklicken der Videos vom User verursacht, der lediglich einen Teil der Bandbreite anfordert für die er bezahlt hat, meist sogar nur für einen sehr geringen Anteil, doch selbst solche schmalbandige Videos werden oft nur zäh wie Gummi abgespielt.

Die Telekom lenkt vom eigenen Fehlverhalten ab, indem sie den schwarzen Peter einseitig dem gestiegenen Datenaufkommen der Anbieter zuschreibt. Diese aber zahlen für Traffic+Netzanbindung bereits an ihren Provider, und auch der Video-Konsument leistet genau dafür seine monatlichen Gebühren an die Telekom. An beiden Enden des Kabels bezahlt also bereits jeder seinen Anteil. Für den eigenen, selbst verursachten Traffic und für die eigene Netzanbindung muss die Telekom also schon selbst aufkommen. Der Kunde bezahlt schließlich für die Weiterleitung vom INTERNET, und nicht nur für die letzte Meile vom Telekom-Server nach Hause.

Wenn ein Provider aufgrund mangelnder Finanzierung der eigenen Netzkapazitäten nicht in der Lage ist, die vom Endkunden bezahlte Bandbreite halbwegs zuverlässig weiterleiten zu können… ja dann wird er wohl seine angebotenen Flatrate-Preise neu kalkulieren müssen! Dann wird sich zeigen, ob die Preise noch konkurrenzfähig sind, oder ob die Sparschraube bei Spenden oder Managergehältern angesetzt werden muss.

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